Die Waagefrau

Unter diesem Zeichen geborene Frauen fallen durch Schönheit und zarten Teint auf und durch eine ausgeprägte Ablehnung alles Unattraktiven. Sie haben einen Instinkt für Vornehmheit, Umgangsformen und Kleidung, benutzen sinnliches (und teures) Parfüm, lieben schönen Schmuck und umgeben sich gern mit Luxus. Sie bewundern Schönheit in all ihren Manifestationen, in Musik, bildender Kunst, Architektur - und Menschen. Ihre Wohnung hat immer ein elegantes. Diese anspruchsvolle Einstellung bezieht sich auch auf Männer. Ein Begleiter ist für die Waagefrau einem Brillantring ähnlich; er soll den Wert ihres eigenen Selbst erhöhen.

Wer sich dazu nicht imstande fühlt, ist wohlberaten, wenn er dieser Frau aus dem Wege geht. Sie sieht sich wie auf einem Bildschirm, auf dem sie alle ihre Bewegungen beobachten und sich an ihrer anmutigen Schönheit erfreuen kann. Dennoch ist sie nicht unkritisch. Sie möchte, daß ihr Bild ihrem hohen Maßstab entspricht und nimmt, wenn notwendig, Verbesserungen vor. Kein Wunder, daß Waagefrauen als Inbegriff des Charmes betrachtet werden.

Ihre Wankelmütigkeit läßt sich nicht bestreiten. Sie versteht, jeden anziehenden Mann, dem sie begegnet, an sich zu fesseln, zieht aber schon bald zu neuer Eroberung weiter. Sie kann schneller vergessen als ein Spiegel. Außer in ungewöhnlichen Fällen sind ihre Gefühle ziemlich oberflächlich und nicht von langer Dauer.

Da Venus ihr Sonnenzeichen regiert, versteht sich die Waagefrau auf die Liebeskunst. Man vergesse jedoch nie ihre Abneigung gegen alles, was sie unattraktiv findet. Männer, die aus der Form geraten sind, einen Hängebauch oder schlaffe Arme haben und zu weibliche Brüste entwickeln, oder allzu knochenklapprig daherkommen, fallen in Ungnade, wenn sie sich aus den barmherzig bemäntelten Kleidern schälen. Entweder schützt die Erkorene dann Mitgräne vor, oder sie schließt sich im Badezimmer ein. Sie dehnt ihren ästhetischen Anspruch bis auf die Liebeswerkzeuge eines Mannes aus!

Im allgemeinen zieht sie Künstler – Schauspieler, Sänger, Schriftsteller, Maler, Musiker – einem Geschäftsmann vor. Eine etwas scharfzüngige Waage drückte es einmal folgendermaßen aus: "Geschäftsleute hat Gott nur erschaffen, weil er jemand brauchte, der all die langweilige, phantasielose Arbeit in der Welt verrichtet".

Nicht immer interessiert sich die Waagefrau für den Mann an sich. Hauptsächlich möchte sie bewundert werden. Sie mag einen Mann um sich brauchen, um ihr Ego streicheln zu lassen, doch im Brennpunkt steht nur sie selbst. Jede Gelegenheit ist für die eine Fassung, und sie ist der Edelstein in der Mitte.

Sie mag nicht gehetzt werden. Es ist zwecklos, sie zu ermahnen, daß die Einladung zum Essen auf halb acht festgesetzt ist – es ist Viertel vor und sie ist immer noch mit dem Make-up beschäftigt; seelenruhig fährt sie damit fort. Jeder gesellschaftliche Anlaß ist für sie ja nichts weiter als eine Gelegenheit, um dabei als Star zu glänzen.

Damit hat sie nicht einmal unrecht, denn sie vermag daraus ein Ereignis zu machen. Sie tritt auf wie ein Komet, und ihre Begeisterung löst eine ähnliche Reaktion bei anderen aus.

Wenn es nicht nach ihrem Kopf geht, kann sie kleinlich und nörgelig werden. Sie erwartet Perfektion und bauscht alle Mängel und Unvollkommenheiten auf, die ihr das Gewünscht versagen. Ein besonderes Schreckgespenst ist für sie die Erwähnung von Geld. Ihrer Ansicht nach ist Geld zum Ausgeben da - darüber redet man nicht. Gespräche über Geldfragen langweilen die Waagefrau. Ihr Interesse am Geld besteht nur darin, daß man damit schöne Dinge kaufen kann, Schmuck, Kleider, Pelze. Aus kalter barer Münze macht sie sich nichts.

Sie liest gern unterhaltsame Bücher, sieht gern einen Film mit Happy-End, bewohnt gern blumengeschmückte Zimmer, hört gern lyrische Musik. Im allgemeinen gelassen und heiter, kann sie unter Umständen unwiderstehliche Lebhaftigkeit entfalten. Die euphorische Stimmung findet ihr Gegenstück in Niedergeschlagenheit, die sie nur noch schwarzweiß sehen läßt.

In Kleinigkeiten ist sie eine Perfektionistin. Geringfügige Unordnung regt sie auf. Sie ist die Frau, die noch bei Schiffsuntergang die Deckstühle an Bord eines Schiffes ordentlich aufstellen würde.

Befehle sollte man ihr erst gar nicht geben. Sie wird sie doch nicht befolgen. Läßt man nicht locker, wird man ihren tiefsitzenden Eigensinn entdecken. Je mehr Druck, desto widerborstiger wird sie. Ein freundliches Wort und sanfte Überredung sind die einzigen Mittel, ihren Widerstand zu brechen. Sie ist zwar äußerst weiblich, aber auch schlau, vage, schwerblütig. Je nachdem wie ihre Sterne stehen, kann ihre Unschlüssigkeit so weit gehen, daß sie passiv sitzenbleibt und auf Führung wartet wie ein Blinder auf einen Blindenhund. Sie ist eine vielseitige, faszinierende, bewußte Betörerin.

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